Wenn die Tage stiller werden

WdP Christine Bürk_Gemeindeseite November 2026 (Foto: Christine Bürk)

Der November lädt uns ein innezuhalten.

Die Tage werden kürzer, die Natur zieht sich zurück, die Blätter fallen von den Bäumen und häufig wird es gar nicht mehr richtig hell. Im November gedenken wir an Menschen, die zu unserem Leben gehört haben und die wir vermissen.

An Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2. November) erinnern sich unsere katholischen Mitgeschwister an die Verstorbenen.

Am Ewigkeitssonntag schauen die evangelisch-reformierten Christen noch einmal besonders auf jene, von denen sie in diesem Jahr Abschied nehmen mussten.
Wir nennen ihre Namen, besuchen ihre Gräber, entzünden eine Kerze und tragen die Erinnerung an sie in unseren Herzen.

Solche Tage machen uns oft traurig. Sie erinnern uns daran, dass unser Leben kostbar und zugleich
vergänglich ist, dass ein geliebter Mensch fehlt. Vielleicht führen sie uns auch zu Fragen, die wir im Alltag oft beiseiteschieben: Was bleibt, wenn unser Leben zu Ende geht? Worauf können wir hoffen? Und wer trägt uns, wenn wir loslassen müssen?

Jesus gibt uns darauf eine Antwort, die mitten in unsere Vergänglichkeit hineinreicht:
«Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.»
Johannes 11,25

Diese Worte sind kein billiger Trost. Sie nehmen den Schmerz des Abschieds ernst. Jesus selbst hat am Grab seines Freundes Lazarus geweint. Und doch sagt Christus uns: Der Tod ist nicht das Ende.

In ihm ist Leben, das stärker ist als der Tod. In ihm dürfen wir darauf vertrauen, dass unsere Verstorbenen bei Gott geborgen sind – und auch unser eigenes Leben in Gottes Händen ist. Darum werden wir uns im November erinnern und trauern. Wir dürfen weinen und zugleich hoffen. Denn Jesus Christus geht mit uns – durch das Leben, durch die schweren Zeiten und auch durch den Tod hindurch. Seine Nähe gilt uns heute. Und sie trägt uns über den Tod hinaus.

Im letzten Buch der Bibel steht eine grosse Verheissung:
«Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein; noch Leid,
noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.» Offenbarung 21,4

Was für eine Hoffnung: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus ist die Auferstehung und das Leben. Vielleicht laden uns die Gedenktage im November dazu ein, einen Moment still zu werden, eine Kerze anzuzünden – und unser eigenes Leben neu aus Gottes Hand entgegenzunehmen, Christus zu vertrauen, dass er das Leben ist. Er trägt im Leben und im Sterben.

So sind wir von ihm gehalten, auch wenn wir an den Gräbern unserer Liebsten stehen.

Gott ist uns nahe. Im Leben. Im Sterben. Und darüber hinaus.

Christine Bürk, Pfarrerin
Bereitgestellt: 02.11.2026      
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