«Wo meine Seele ruhig wird» – Gedanken zum Muttertag
Bei einem meiner letzten Taufgespräche ist der kleine Bub an der Brust der Mutter eingeschlafen. Es war so ein friedliches Bild der Geborgenheit, wie es im Psalm 131 ausgedrückt wird «Ja, ich liess meine Seele still und ruhig werden; wie ein kleines Kind bei seiner Mutter, wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.» (Psalm 131, 2)
Es hat mich einmal mehr berührt, denn dieses Bild spricht von tiefer Geborgenheit.
Das kleine Kind im Arm der Mutter ist zur Ruhe gekommen, es muss nichts leisten oder beweisen, es darf einfach sein und es vertraut bedingungslos. Es fühlt sich sicher.
Dieses Vertrauen wird im Psalm nun auf Gott übertragen. Meine Seele darf geborgen sein in der Nähe Gottes, wie ein kleines Kind, das an der Brust der Mutter eingeschlafen ist.
Gerade am Muttertag, den es seit 1914 gibt, denken wir besonders an die Liebe und Fürsorge vieler Mütter (auch Grossmütter), die sich Tag für Tag um ihre Kinder kümmern, ihnen Zuwendung und Geborgenheit schenken. Hier wird diese Geborgenheit Gottes auf Erden sichtbar gemacht: Wo getröstet, getragen, ermutigt und begleitet wird, da spiegelt sich etwas vom Wesen Gottes wieder. Ja, der Psalm geht noch tiefer. Denn leider gibt es auch Mütter, die überfordert sind, die diese tiefe Geborgenheit an ihre Kinder nicht weiter geben können.
Psalm 131 spricht von der tiefen Beziehung zwischen Gott und uns. Wir sind Gottes Kinder und seine Liebe reicht noch viel weiter als jede menschliche Liebe.
In Jesus Christus ist diese Liebe sichtbar geworden. Eine Liebe, die sich dem Kleinen, dem Schwachen und dem Ängstlichen zuwendet, die Menschen annimmt, die heilt und einlädt, bei Gott zur Ruhe zu kommen:
«Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch zur Ruhe bringen.» (Matthäus 11, 28)
Diese Geborgenheit bei Gott gilt allen Menschen, nicht nur Müttern, sondern auch Frauen, die bewusst keine Kinder haben, oder Frauen, die gerne Kinder gehabt hätten und deren Lebensweg anders verlaufen ist und auch allen Männern.
Ihnen allen gilt dieses Wort aus Psalm 131, 2: «Ja, ich liess meine Seele still und ruhig werden; wie ein kleines Kind bei seiner Mutter, wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.»
Der Psalmvers lädt uns alle ein, alles loszulassen, was uns beunruhigt, wo wir gestresst sind, wo wir uns unsicher fühlen. Er lädt uns ein, bei Gott zur Ruhe zu kommen, wie ein Kind in sicheren Armen. Bei Gott dürfen wir geborgen sein und uns sicher fühlen.
Den Muttertag feiern wir als einen Tag des Dankes und der Wertschätzung gegenüber unseren Müttern, die uns gross gezogen haben. Er ist aber noch weit mehr, er ist ein Tag des Dankes gegenüber Gott: Wir sind alle geborgen in ihm, wir sind alle geliebt. In Jesus Christus finden wir einen Ort, an dem unsere Seele zur Ruhe kommt und das nicht nur an einem speziellen Tag, sondern jeden Tag. Ist das nicht wunderbar?
Christine Bürk, Pfarrerin