Bei Gott bin ich die Nummer 1
Vor kurzem wurde ich darauf angesprochen, dass ich bei meinem Auto eine enorm hohe Nummer habe. Für den Aargau sei sie aussergewöhnlich hoch.
Normalerweise mache ich mir nichts aus Autonummernschildern, aber nun war ich doch ein wenig irritiert und gleichzeitig stimmte mich dieses Erlebnis nachdenklich.
Wer eine kleine Nummer hat, ist etwas Besonderes. Die tiefe Nummer zeigt, dass jemand Einfluss hat, reich ist oder über gute Beziehungen verfügt. Wie oft wären wir im übertragenen Sinn nicht selbst gerne die Nummer 1? Die Nummer 1 in unseren Familien, bei der Arbeit, in der Schule. Die Nummer 1 zu sein heisst doch, beachtet zu werden, geliebt zu werden, Einfluss zu haben und angesehen zu sein. Nach der Nummer 1 drehen Menschen sich um.
Genau das beschreibt der Apostel Paulus im Römerbrief: «Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren» (Römer 5,8).
Mit anderen Worten: Noch bevor wir überhaupt an Gott gedacht haben, hat er uns schon unermesslichen Wert beigemessen. Für ihn ist nicht entscheidend, wie erfolgreich oder angesehen wir in dieser Welt sind. Für ihn zählt, dass wir seine Kinder sind – geliebt und wertvoll.
In einer Welt, in der man sich ständig vergleichen muss, in der Menschen nach Likes, nach «Daumen hoch» und Anerkennung suchen, schenkt uns Gott eine ganz andere Perspektive:
Bei ihm sind wir nicht eine hohe, anonyme Zahl wie meine Autonummer. Bei Jesus Christus sind wir mit Namen bekannt, wir sind einzigartig und geliebt.Jesus selbst sagt: «Ich kenne meine Schafe, und sie kennen mich» (Johannes 10,14). Das heisst: Er kennt Ihre Sorgen, Ihre Hoffnungen, Ihre Verletzungen und Ihre Freuden – und gerade deshalb dürfen Sie wissen: Bei ihm sind Sie niemals übersehen, sondern immer die Nummer 1.
Und vielleicht ist das auch eine Einladung an uns, diese göttliche Sichtweise auf andere Menschen zu übertragen.
Wenn ich selbst erfahre, dass ich von Gott angesehen bin, dann kann ich auch anderen Menschen Wertschätzung schenken – gerade denen, die sich vielleicht übersehen fühlen. So werden wir zu Boten der Liebe Gottes: Wir geben weiter, was wir selber empfangen haben.
Darum: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie in den Augen der Welt nur eine «hohe Nummer» sind. Ihre wahre Identität liegt nicht in Äusserlichkeiten, nicht in Leistung oder Anerkennung, sondern in der unerschütterlichen Liebe Gottes. Bei ihm sind Sie nicht austauschbar, sondern unvergleichlich wichtig.
Seien Sie gewiss: Bei Gott sind Sie die Nummer 1.
Pfarrerin Christine Bürk