Gedanken zu einem «Fund»: ein Patronenkreuz!
Wie Sie wohl gelesen haben, bin ich Mitte Mai aus dem Pfarrhaus Baumgartenweg aus- und kaum 200 Meter weiter mit meiner Verlobten Rebekka zusammengezogen. Und nein, das bedeutet nicht, dass ich schon pensioniert bin, wie manche denken.
Beim Zusammenpacken und Räumen habe ich viele Gegenstände nach langer Zeit wieder in die Hände genommen und diese dann in eine Schachtel gelegt oder in der Mulde entsorgt. Nach 22 Jahren im selben Haus war das ein intensiver Prozess, gerade weil ich natürlich auch viele Gegenstände in den Händen hielt, die mich an meine verstorbene Frau Seraina erinnert haben.
Nun ist es geschafft!
In einer Ecke einer Schreibtischschublade bin ich auf ein Säckchen mit metallisch-glänzendem Inhalt gestossen und hatte keine Ahnung mehr, was sich darin befinden könnte. Zum Vorschein kamen fast 50 Patronenkreuze, die ich vor vielen Jahren offenbar erworben hatte. Das Säckchen mit den Patronenhülsen, die ein zweites Leben als Kreuz haben, habe ich mitgenommen und eines der Patronenkreuze hat nun einen Platz auf meinem Schreibtisch gefunden. Wenn mein Blick darauf fällt, ist das Patronen-Kreuz für mich eine tägliche Erinnerung, dass ich das Gebet für Frieden nicht vernachlässige. Ich bete darum, dass Gott die Tage des Krieges in den Kriegsgebieten verkürzt und den Menschen vor Ort trotz allem Hoffnung gibt und viel Geduld und Resilienz, um all das Schwierige auszuhalten, das sie erleben müssen u.v.m.
Das Patronenkreuz ist ein ambivalenter Gegenstand: Einst war die Patrone mit einer Treibladung gefüllt, die, aus einer Waffe abgefeuert, beim Ziel eine verheerende Wirkung haben soll. Ihr Ziel ist Verletzung oder gar Tod. Jetzt als Kreuz weist sie zwar immer noch auf den Tod hin, aber auf den Tod von Jesus Christus, der sein Leben freiwillig in den Tod gab, damit Frieden werden kann für die Menschen, die an ihn glauben. Das leere Kreuz ist deshalb vom Todessymbol zum Lebenszeichen geworden, vom Hinrichtungsinstrument zum Wegweiser zu neuem Leben. Das Patronenkreuz steht nicht für Tod und Vernichtung, sondern für Frieden, Versöhnung und Hoffnung. Die Idee, aus Patronenhülsen Kreuze zu formen, hatten 2014 ehemalige liberianische Kindersoldaten, die viele Familienangehörige im Bürgerkrieg in Liberia verloren hatten. Dass das Tötungsinstrument zu einem nützlichen lebensfördernden Gegenstand werden kann, erinnert an das Wort aus Jesaja 2 und Micha 4: «Wenn Gott den Streit zwischen den Nationen schlichtet, dann schmieden sie ihre Schwerter um zu Pflugscharen und machen aus ihren Speeren Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr, Krieg zu führen.»
Ich halte diese Worte für utopisch; ich traue unserer Menschheit nicht zu, dass sie dies jemals erreichen kann. Aber ich traue Gott zu, dass er das Unmögliche möglich macht! Deshalb bete ich und weigere mich, in meinem persönlichen Leben fürs Erreichen meiner Ziele Macht und Gewalt einzusetzen. Ich möchte Friedensstifter sein. Helfen Sie mit? Möchten Sie auch so ein Patronenkreuz als Gebetshilfe haben? Ich schenke es Ihnen gerne!
Daniel Hintermann, Pfarrer