Erschreckt nicht!

Jesus Christus sagt im Matthäusevangelium 24,6: «Ihr werdet von Kriegen hören; ihr werdet hören,
dass Kriegsgefahr droht. Lasst euch dadurch nicht erschrecken. Es muss so kommen, aber das Ende ist es noch nicht.» – Nun sind wir aber doch recht stark erschrocken wegen den Ereignissen der vergangenen Wochen und Monate in Osteuropa. Verübeln kann man es uns nicht. Schon oft haben Menschen, meist ältere als ich es bin, zu mir gesagt: «In Europa gibt es keinen Krieg mehr.» Und nun hat uns Menschen im sogenannten Westen die Realität eingeholt – einmal mehr.
Als Jesus die obigen Sätze zu seinen Jüngern sagte, haben sie wohl nicht an Kriege im 21. Jahrhundert gedacht. Vielmehr hatten die damaligen Hörer und späteren Leser die Kriege der Römer vor Augen, die Jerusalem und den Tempel Gottes im Jahr 70 n. Chr. in Schutt und Asche legten. Trotzdem scheinen diese Verse zeitlos zu sein. Es gab wohl kaum eine Zeit in den letzten 2000 Jahren, in der man nicht von Kriegen hörte und irgendwo Krieg war. Jesus wusste um diese Kriege und ermuntert uns, trotz allem Schlimmen, uns nicht erschrecken zu lassen. Wie kann das wohl gemeint sein? Ist alles nur halb so schlimm? Ich denke nicht. Krieg ist furchtbar und grauenvoll. Aber ich denke auch, dass Jesus eine Art Vergleich zieht. Alles Schlimme von Kriegen und Kriegsgefahr ist viel weniger gravierend und viel weniger wichtig, als alles, was nachher kommt. Zwei Verse weiter, in Vers 8, bezeichnet Jesus das alles als den «Anfang der Wehen.» Er braucht also das Bild einer Geburt, um zu erklären, in was für einem Verhältnis die Ereignisse stehen: Alles Schlimme und alle Kriege auf dieser Welt sind im Vergleich zum darauffolgenden Ereignis «nur» Geburtswehen. «Das Ende ist es noch nicht». Das eigentliche Ereignis, das Jesus mit einer Geburt vergleicht, kommt nachher: seine Rückkehr! – Jesus Christus hat versprochen, dass er am Ende der Zeit zurückkehren wird. Aus Sicht dieses Ereignisses wird alles Bisherige nur noch als Geburtswehen wahrgenommen und in den Schatten gestellt werden. Dieses Ereignis, welches schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden im Alten und Neuen Testament vorausgesagt ist (so beispielsweise in Dan 7,13.14; Sach 12,10; Mt 24,27 oder Apg 1,11, um nur einige Stellen zu nennen), wird den Höhepunkt der Weltgeschichte darstellen. Darum müssen wir uns, trotz allen schlechten Nachrichten von Kriegen und Kriegsgefahr, nicht erschrecken lassen, sondern dürfen hoffen und glauben, dass Jesus eines Tages zurückkommt und allem Übel auf unserer Erde ein Ende bereiten wird. – «So tröstet euch mit diesen Worten untereinander», schreibt der Apostel Paulus im Hinblick auf die Rückkehr Jesu (1 Thess 4,18).

Beat Müller, Pfarrer
Bereitgestellt: 30.05.2022     Besuche: 107 Monat 
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