Daniel Hintermann

Kirche? Find’ ich gut! Konfirmation statt Kirchenaustritt

Wort des Pfarrers (Foto: Daniel Hintermann)

Ich bin jetzt seit 26 Jahren Pfarrer, davon 18 Jahre in Schöftland. In den letzten Jahren musste ich schon mehrmals den Kirchenaustritt ehemaliger Konfirmand/-innen zur Kenntnis nehmen, was mir jedes Mal einen besonderen Stich versetzt. Auf meine Nachfrage höre ich in der Regel keine Kritik an meinem Konfirmandenunterricht, die meisten haben sogar gute Erinnerungen daran. Es wird auch selten Kritik an unserer Kirchgemeinde oder der Reformierten Kirche geäussert, oft höre ich sogar von Austretenden ausgesprochen positive Rückmeldungen. Warum also treten sie dann aus?
Weil sie ganz ein anderes Bild von Kirche haben als ich. Für die meisten Austreteden – besonders junge Menschen – ist die Kirche ein Verein und die Kirchensteuer ein Vereinsbeitrag. Wenn man also nicht Aktivmitglied ist, warum soll man dann zahlen? Dieses Bild scheint mir weit verbreitet, ist aber m. E. falsch. Die Kirche will zumindest viel mehr sein als ein Verein im Sinne einer Interessengemeinschaft besonders religiöser Leute oder so. Die Kirche versteht sich selbst nicht als Verein, sondern u. a. als Solidargemeinschaft, ja als Grossfamilie, wo jedes Kind, jede Frau und jeder Mann Platz hat und Heimat findet, Unterstützung und Beistand, Rat und praktische Hilfe bekommt. So soll Kirche m. E. sein und so erlebe ich sie selbst auch immer wieder. In der Kirche muss ich nicht erst etwas leisten, um anerkannt zu werden. Ich kenne selber keine andere Gemeinschaft von Menschen, die sich eigentlich ganz fremd sind und sich doch mehr als nur akzeptieren. Der Auftrag für Christinnen und Christen heisst Nächstenliebe, und wir versuchen diesem Gebot zu folgen.

Mir geht es in diesem Kurzartikel weniger darum, über Kirchenaustritte zu klagen – auch wenn es Grund dazu gibt. Ich will vielmehr Sie als Kirchenmitglied auffordern, Ihre Mitgliedschaft zu bestätigen, zu erneuern, noch überzeugter als bisher Ihre Kirchensteuer zu bezahlen, sich an Ihre Konfirmation zu erinnern und noch einmal Ja zu sagen zum christlichen Glauben, zu Gott und Ja, auch zu dieser Reformierten Kirche. Selbstverständlich ist sie alles andere als perfekt. Wir machen Fehler und könnten manches besser machen, natürlich. Aber ich liebe sie trotzdem, meine Kirche, gerade in ihrer Unvollkommenheit. Wir dürfen Fehler machen, denn wir sind Menschen. In dieser Kirche leben Freiheit und Toleranz! Ich darf meinen Glaubensweg gehen, ich muss mich nicht verbiegen, ich kann sogar in einer Predigt meine Glaubenszweifel ansprechen und werde deshalb nicht exkommuniziert oder entlassen. Ich denke an all die Leute, denen ich in meiner Kirchgemeinde schon begegnet bin: Menschen, die ganz anders «ticken» als ich, denen anderes wichtig ist, die andere Erfahrungen machen, die anders glauben als ich, aber gerade dadurch meinen Glauben, meine Erfahrung, mein Leben reicher machen. Natürlich kann man auch alleine an Gott glauben, das spreche ich niemandem ab, aber es «fägt» soviel mehr, wenn man es gemeinsam tun kann. Lassen Sie sich doch nicht so viel Spannendes entgehen! Die Kirche, das sind Sie und ich, und wenn Sie nicht teilnehmen, ist die Kirche ärmer. Ich möchte Sie gerne mit dabeihaben! Ob frisch konfirmiert oder schon Jahrzehnte Kirchenmitglied, es ist nie zu spät, mehr für Ihre Kirchensteuer zu bekommen. Nehmen Sie teil an unseren Veranstaltungen, bringen Sie sich ein in unsere Freiwilligenarbeit, stimmen Sie ab an unserer Kirchgemeindeversammlung, bestätigen Sie Ihre Konfirmation mit Ihren Füssen! Kommen Sie zur Kirche! Wir heissen Sie gerne willkommen! Und natürlich kommen wir auch gerne zu Ihnen: Laden Sie uns ein! Wir haben keine Berührungsängste.

Daniel Hintermann, Pfarrer
Bereitgestellt: 28.04.2022     Besuche: 6 heute, 152 Monat 
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