Anita Morgenthaler

Sind Sie ein «Tonjäger»?

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Mein Vater war ein «Chasseur de Sons», ein Tonjäger. Meine Mutter zeigte mir letzthin seinen Ausweis von 1952, der ihn als Mitglied des schweizerischen Tonjäger-Verbandes ausweist.
Als Tonjäger reiste er mit seinem grossen, umständlichen Spulen-Tonband an verschiedenste Veranstaltungen, zeichnete diese auf und nahm mit seinen Aufnahmen an lokalen und nationalen Wettbewerben teil. Einmal gewann er dabei sogar den 1. Preis der Genfer Sektion der Chausseur de Sons.

Mein Vater war als Kind schwerhörig geworden; trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - war er ein Tonjäger und hat sich sein Leben lang intensiv mit Radiobeiträgen und Musik beschäftigt.

Töne zu jagen ist heute unvergleichlich einfacher. Die Aufnahme-App meines Smartphones kam in den letzten Wochen vermehrt zum Einsatz. Einen Audio-Gottesdienst im Büro aufzunehmen hat zwar auch seine Herausforderungen – Nebengeräusche, Versprecher, verschiedene Laustärken der Musik u.a. – aber jedes Mal hatte ich die Aufnahme etwas schneller beisammen. Ich machte mir auch einen Spass daraus, Geräusche in der Natur aufzunehmen und damit ein Ratespiel im privaten Umfeld zu machen. Auch das Erkennen von Liedern in wenigen Sekunden macht Vergnügen (wie bei «Jukebox», Radio SRF 1, jeweils am Samstagabend).

In den letzten Wochen war weniger Verkehrslärm zu hören. Mir scheint, dass ich die Vogelstimmen, das Zirpen der Grillen, ja selbst die Nuancen im Miauen unserer Katze besser wahrgenommen habe. Vielleicht hat auch die erzwungene Entschleunigung das Ihre beigetragen, dass meine Ohren etwas aufmerksamer hingehört haben; das mussten sie ja auch bei manchen Telefongesprächen oder Video-Sitzungen, wenn das virtuelle Gegenüber nur undeutlich oder mit Schwankungen zu hören war.

Und wie ist es mit dem Hören auf Gott? Im Neuen Testament heisst es mehrmals «Wer Ohren hat zu hören, der höre». Es geht um ein genaueres Hinhören, ein Hören, zu dem es nicht nur meinen Hörsinn braucht, sondern meine ganze Aufmerksamkeit, meine Hingabe. Denn nach meiner Erfahrung bin ich hier zuerst einmal ‘schwerhörig’. Wer Gottes Stimme hören will, der sollte die Bibel nicht nur ‘im Hintergrund laufen lassen’ oder beim Gebet die gewohnten Phrasen herunterleiern. Gottes Stimme ist meist leise und so anders, dass ich lernen muss, sie zu hören. Eine Vertrautheit mit der Bibel, sowie regelmässiges Beten sind Voraussetzungen dafür. Und ich muss lernen zu unterscheiden zwischen meinen Gedanken und Gedankenimpulsen, die mir zuweilen zufliegen und die sich als Stimme Gottes zeigen können. Kriterium dafür, ob es Gott ist, der redet, ist, dass das Gehörte dem Willen Gottes – wie ich ihn aus der Bibel herauslese - nicht widersprechen darf. Ob es wirklich Gott ist, der spricht, kann ich eigentlich nur herausfinden, wenn ich dem Gedankenimpuls nachgehe. Im persönlichen Gespräch erzähle ich Ihnen gerne, wo ich dies zuweilen erfahren habe.

Ich möchte auch hier ein ‘Tonjäger’ sein, ein Mensch, der im äusseren und inneren Lärm unserer Zeit die Stimme Gottes sucht und zuweilen findet, ich möchte jemand sein, der «wie ein Jünger hört» (Jochen Klepper, RG 574,2). Versuchen Sie es doch auch!

Daniel Hintermann, Pfarrer
Pfarrer Daniel Hintermann
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Bereitgestellt: 25.06.2020     Besuche: 43 Monat 
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