Anita Hungerbühler

Drei Tage und drei Nächte

Beat Müller<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-schoeftland.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>163</div><div class='bid' style='display:none;'>2806</div><div class='usr' style='display:none;'>336</div>

Wir sind mitten in der Osterzeit und gedenken und feiern Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus.
Wenn wir vom Tod Jesu am Karfreitag bis zu seiner Auferstehung an Ostersonntag die Tage und Nächte zählen, ergeben sich drei Tage und nur zwei Nächte. Dies entspricht sowohl der Zeit, zu der wir bis heute Ostern feiern und auch sämtlichen Bibelstellen, welche im Nachhinein über Tod und Auferstehung Jesu berichten (z.B.: Lk 23,46; Mk 16,9; Joh 19,31 u.a.). Jesus starb an Karfreitag und er stand am Ostersonntag von den Toten auf.
In Matthäus 12,40 prophezeit Jesus über seinen Tod jedoch Folgendes: «Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.» Wie ist nun diese Spannung aufzulösen? Hat sich der Evangelist Matthäus oder gar Jesus selbst verrechnet?
Dass von Karfreitag bis Ostersonntag drei und nicht zwei Tage gerechnet wurden, wie wir es heute tun würden, lässt sich noch leicht erklären. Im Judentum zählte man immer den ersten Tag mit. Sogar wenn ein Regent im letzten Monat des Jahres an die Macht gekommen ist, ist er aus jüdischer Sicht im drauffolgenden Monat bereits «in seinem zweiten Jahr». Dafür gibt es eine Vielzahl an Beispielen in der Bibel.
Schwieriger ist es, drei Nächte zu finden. Zwischen Freitag und Sonntag liegen nun einmal zwei und nicht drei Nächte. Hierfür lassen sich zwei Lösungs-möglichkeiten heranziehen. Die Wendung «drei Tage und drei Nächte» kommt im Alten Testament genau zweimal vor. Das eine Mal beim Propheten Jona, der drei Tage und drei Nächte im Bauch eines Fisches war und das andere Mal (und diese Stelle ist nun von Be-deutung für uns) bei König David, als sein Heer einen ägyptischen Sklaven aufgreift, der krankheitshalber «seit drei Tagen und drei Nächten» nichts mehr gegessen hat, jedoch einen Vers weiter mitteilt, er sei vor drei Tagen krank geworden, was wiederum nur zwei Nächte wären. Es ist also möglich, dass die Wen-dung «drei Tage und drei Nächte» eine damalige jüdische Redensart ist, die rein mathematisch betrachtet drei Tage und zwei Nächte meint.
Ich persönlich favorisiere jedoch eine andere Möglichkeit. Wir finden nämlich in der Bibel noch einen weiteren Hinweis für die dritte Nacht. Sowohl Matthäus, Markus und auch Lukas berichten von einer dreistündigen Finsternis, die anbrach kurz nach-dem Jesus am Kreuz starb (Mt 27,45; Mk 15,33; Lk 23,44f). Auf der ersten Seite der Bibel wird die allererste Nacht, die es auf Erden gab, mit dem Wort Finsternis gleichgesetzt. Gen 1,5a: «Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht.» Die dreistündige Finsternis kann aus jüdischer Sicht also durchaus als Nacht betrachtet und somit gerechnet werden, womit die drei Tage und drei Nächte gefunden wären.
Ich wünsche Ihnen frohe Ostern.

Beat Müller, Pfarrer
Bereitgestellt: 14.04.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch