Anita Hungerbühler

Saat-gut?... oder -schlecht?

 Daniel Hintermann<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-schoeftland.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>163</div><div class='bid' style='display:none;'>3000</div><div class='usr' style='display:none;'>336</div>

Die Passionszeit hat begonnen. Die Hilfswerke Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein laden seit 50 Jahren dazu ein, die Passions- und Fastenzeit als Zeit der (Um-)Besinnung zu begehen. Dieses Jahr geht es ums Säen und ums Ernten und also um die Grundlage unserer Nahrung. Ihre Sorge und ihr Anliegen formulieren die Hilfswerke in wenigen Sätzen (auf dem Tischset) so: «Wenige Konzerne bestimmen, was auf unsere Teller kommt. Denn sie produzieren fast das ganze Saatgut für den Weltmarkt. Ihre industriellen Sorten liefern kurzfristige Profite. Doch mittelfristig verlieren wir alle. Die Böden werden unfruchtbar, Kleinbauernfamilien weltweit verarmen, traditionelle Gemüse- und Früchtesorten sterben
aus.»
Mir macht diese Entwicklung Angst! Sie geschieht schleichend. Ich merke sie vielleicht erst, wenn ich nicht nur im Grossverteiler nur noch wenige Sorten Gemüse oder Früchte angeboten bekomme, sondern auch auf dem Gemüsemarkt weniger Vielfalt besteht.
Diese Entwicklung ist ja in vielen Lebensbereichen im Gang, und ich wundere mich immer wieder, dass gerade bürgerliche Parteien, die doch die Freiheit und Individualität hoch gewichten, hier «auf dem Schlauch stehen» und nicht sehen, dass die wirtschaftliche Freiheit z.B. auch dazu führt, dass wenige grosse Konzerne alle kleinen aufkaufen und nun diktieren, was wir kaufen sollen. Das kann es doch nicht sein!
Wir dürfen die ungeheure Vielfalt an Früchten und Gemüsepflanzen doch nicht einfach aufgeben und uns damit selber die Lebensgrundlagen entziehen.
Wir müssen Gegensteuer geben – und dazu will uns die diesjährige Aktionszeit Mut machen.
Für mehr Vielfalt in unseren Gartenbeeten und Balkontöpfen, auf unseren Feldern und Tellern können wir uns einsetzen, in dem wir genetisch «altes» Saatgut kaufen – bei Bauern, auf dem Samenmarkt im Schloss Wildegg, bei Pro specie rara etc.; und natürlich auch dadurch, dass wir in den Läden, in denen wir einkaufen nach mehr und traditionellen Sorten von Gemüse und Früchten fragen.
Das Aussäen von vielfältiger Saat und das bewusste Einkaufen (auch) von alten Gemüse- und Fruchtsorten ist m.E. durchaus auch ein Glaubensbekenntnis, ja ein Anknüpfen beim Schöpfungsauftrag: «Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Tiere und vertraue sie eurer Fürsorge an.» Dass der Mensch über Tiere und die ganze Schöpfung gesetzt wird, ist mit grosser Verantwortung verbunden. Wenn wir zu dieser Verantwortung Ja sagen, ist dies auch Gottesdienst.
Die CVP will ihr C nicht mehr – umso mehr sollten wir als Christinnen und Christen unser C in allen Lebensbereichen zum Leuchten bringen!

Daniel Hintermann,
Pfarrer
Bereitgestellt: 28.02.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch