Anita Morgenthaler

Götterspeise

01 Wort der Pfarrerin Dörte Gebhard<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-schoeftland.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>137</div><div class='bid' style='display:none;'>2888</div><div class='usr' style='display:none;'>287</div>

Hatten Sie dieses Dessert als Kind gern? Ich denke nicht an Löffelbiscuits und Vanillecreme mit aufgetauten Früchten, sondern an zitternden und schwankenden Wackelpudding. Er kam und kommt bei uns daheim in leuchtenden Farben auf den Tisch, gekocht aus Trauben-, aber auch aus Zitronen-, Waldmeister- oder Himbeersaft.
Immer etwas säuerlich, aber stets in lustigen Formen, die dann mit grossem Schwung und mehr oder weniger Erfolg gestürzt werden. Zum Glück beeinträchtigt das den Geschmack nicht!

Um Götterspeise und überhaupt um den guten Geschmack unserer Nahrung geht es in diesem Herbst n der ökumenisch begangenen Schöpfungszeit. Seit 2007 werden die Wochen zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober auf Anregung der orthodoxen Kirchen Gottes Schöpfung gewidmet. Alle Kirchen und Gemeinden sind in der Zeit von Bettag und Erntedankfest dazu aufgerufen, für den Schutz der Schöpfung zu beten, sich auf ihre Verantwortung zu besinnen und natürlich praktische Taten folgen zu lassen.

Von 2016 bis 2020 geht es um unsere fünf Sinne. Die Reihe begann mit Hören, Riechen und Fühlen und endet nächstes Jahr mit dem aufmerksamen Hinsehen.

Dieses Jahr werden wir daran erinnert, dass alles Gute, das wir zu uns nehmen, Gottes Gabe, also eine göttliche Speise ist, nicht nur der spezielle Wackelpudding, der wahrscheinlich gar nicht jedermanns Sache ist. Gott hat seine Gaben nicht nur in Überfülle geschenkt, sondern auch noch allen seinen haben unermesslich viele Möglichkeiten mitgegeben. Er allein kennt alle Rezepte, die Menschen je erdachten und erprobten.

Mehr als 1500 Rebsorten sind auf der Wikipedialiste, da sollte sogar für jeden verkorksten Sonderling etwas dabei sein. Trauben muss niemand zwingend mit Gelatine einkochen, man kann viele Sorten direkt ab Weinstock essen, den Saft frisch trinken, haltbar machen und selbstverständlich zu Wein keltern. Früher oder später wird saurer Essig daraus, aber auch die süssesten Rosinen. Die Menge der Konfi- und Kompottrezepte ist beeindruckend. Nicht einmal die kleinen Kerne sind Abfall, man kann aus ihnen kostbares Öl pressen. Zuletzt werden noch die Weinblätter gerollt und köstlich mit Reis gefüllt.

Es ist wahr, wir können uns unsere sehr unterschiedlichen Vorlieben und Lieblingsspeisen wirklich leisten – wenn es nach unserem Schöpfer geht!

Und wenn es nach uns geht? In den alten Sprüchen des Alten Testaments lesen wir schon von den gegenwärtigen Realitäten: Der Satte tritt Honig mit Füssen, doch dem Hungrigen schmeckt alles Bittere süss (Sprüche 27, 7). Jedoch ist allen Wackelpuddingfans und Weinkennern offenbar, dass es für alle Menschen um Gottes Willen genug und genau das Richtige hat, wenn wir die Schöpfung hegen und pflegen, aufeinander achten und gerechter teilen. Nur die Geschmäcker sind eben verschieden. En Guete!

Dörte Gebhard,
Pfarrerin
Bereitgestellt: 28.08.2019     Besuche: 28 Monat 
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