Anita Hungerbühler

Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Beat Müller<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-schoeftland.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>163</div><div class='bid' style='display:none;'>2806</div><div class='usr' style='display:none;'>336</div>

In dem (sehr sehenswerten) christlichen Film «Der Aufstieg» (The Climb, USA, 2002) freundet sich die junge Cheryl entgegen allen Warnungen von Freundinnen und ihrem eigenem Vater mit dem draufgängerischen Derrick an. Als sie merkt, dass sie ein Kind von ihm erwartet, erhofft sie sich von ihm einen Heiratsantrag. Leider wird sie bitter enttäuscht.
Nicht nur der ersehnte Antrag bleibt aus, sondern auch ihre Beziehung nimmt ein schmerzvolles Ende. Er sei noch nicht bereit für ein Kind, lässt er sie wissen und sie bleibt weinend zurück. Für Cheryl bricht eine Welt zusammen: «Wie konnte ich nur so dumm sein?», fragt sie sich und man fühlt als Zuschauer mit ihr mit. – Diese Situation ist so typisch wie menschlich. Wir klammern uns an eine Vorstellung oder einen Wunschtraum und müssen (manchmal knallhart) erleben, wie sie zur Illusion verpufft. Natürlich hätte sie es besser wissen können. Schliesslich wurde sie ja mehrmals gewarnt und hätte entsprechend reagieren können. Doch auch diese Erfahrung ist leider nur zu typisch menschlich, dass wir meinen, es selber besser zu wissen. Womöglich haben wir selbst auch schon Warnungen in den Wind ge- schlagen und haben es nachträglich bitter bereut.
Ähnliche Warnungen gibt es auch in der Bibel. Eine davon habe ich schon an Beerdigungen zitiert: «Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.» – Diese Bitte aus Psalm 90,12 klingt erstmal etwas schroff. Trotzdem finde ich sie genial, weil sie uns an unsere menschliche Endlichkeit erinnert. Das Wissen, dass auch wir eines Tages sterben müssen, hilft uns, uns im Leben auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Absicht des Psalmisten ist wohl nicht, dass wir ständig den Tod vor Augen haben sollen. Aber ich denke der Satz möchte uns warnen oder besser gesagt davor bewahren, den Tod einfach zu verdrängen und so, vor lauter irdischer Ablenkung, plötzlich ganz unvorbereitet vor ihm oder dem Allmächtigen zu stehen.
Wie soll oder kann man sich denn auf den Tod «vorbereiten», ist wohl die hierheraus resultierende Frage. Die Bibel sagt, dass Jesus Christus den Tod überwunden hat. Durch seinen Tod am Kreuz trug er unsere Sünden und durch seine Auferstehung will er uns teilhaben lassen an neuem Leben, dem ewigen Leben. Das hat er allen verheissen, die an ihn glauben. Sich auf den Tod «vorbereiten», heisst also an Jesus Christus zu glauben.
Nun sterben aber nicht nur wir Menschen, sondern wie in dem eingangs erwähnten Beispiel gezeigt, eben auch Beziehungen und Abmachungen, Karrieren und Pläne, Träume und Wünsche. Auch hier ist die Mahnung von Psalm 90 passend: Irdische Sachen sind endlich. Wir könnten somit beten: «Herr lehre uns, dass unsere irdischen Sachen sterben müssen, auf dass wir klug werden.» In gewissen Situationen kann der Vers geradezu tröstlich sein: Die jetzige Situation ist nicht die letzte. Alles wird ein Ende haben, auch das Schwierige, Unschöne und Mühsame. Ich muss es nicht ewig aushalten. Auch dieses Wissen kann mich klug machen, indem ich in schwierigen Situationen womöglich anders reagieren kann, weil ich weiss, dass es ein Ende haben wird, obwohl es vielleicht nicht danach aussieht. – Ich wünsche Ihnen für die Sommermonate Juli und August dieses Wissen, auf dass Sie klug werden.
Beat Müller, Pfarrer
Bereitgestellt: 26.06.2019     Besuche: 17 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch