Anita Hungerbühler

«Erleuchtung» nach Zwingli

Daniel Hintermann<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-schoeftland.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>163</div><div class='bid' style='display:none;'>2779</div><div class='usr' style='display:none;'>336</div>

Die diesjährige Predigtreihe nimmt das Zwingli-Jubiläum auf. Die Gottesdienste im Juni bringen uns auch unbekanntere Seiten «unseres» Reformators nahe.
An Huldrych Zwingli kommen wir als Reformierte nicht vorbei – für mich ist der Zürcher Reformator eine prägende Persönlichkeit geworden, mit der ich mich gerne immer wieder aufs Neue auseinandersetze.
Ein wichtiger reformatorischer Grundsatz ist «Sola Scriptura – allein die Bibel». Zwingli als Humanist studierte die Bibel nicht nur auf Lateinisch, sondern auch in den Ursprachen – und predigte nicht mehr lateinisch, sondern auf Deutsch, sodass die Leute ihn verstehen konnten. Seine Tätigkeit in Zürich begann er mit der fortlaufenden Lektüre und Auslegung des Matthäus-Evangeliums. Er war ein gescheiter und gründlicher Theologe, doch er bildete sich nicht ein, dass er allein die Bibel richtig verstehen könne. Deshalb gründete Zwingli bald mit Gleichgesinnten in Zürich die sogenannte «Prophezei», wo sich fast täglich (nicht nur) Gelehrte zum Bibelstudium trafen und so einen Bibeltext gemeinsam zu verstehen versuchten. Daraus entstand die erste Übersetzung der gesamten Bibel in deutscher Sprache, die 1531 erschienene sogenannte Froschauer Bibel. Wichtig war den versammelten Männern (Frauen waren nicht zugelassen) nicht nur der eigene Verstand, sondern die «Erleuchtung» durch Gottes Geist. So stand am Anfang jedes Bibelstudiums ein Gebet, das uns im Wortlaut überliefert ist.
Mit Psalm 119, 105 betete man dabei darum, dass das göttliche Wort «eine Leuchte unseren Füssen und ein Licht auf unseren Wegen» ist und Gott deshalb den Anwesenden die Herzen «öffnen und erleuchten» möge. Die Teilnehmer beteten auch darum, «dass wir dein Wort rein und heilig erkennen und in das verwandelt werden, was wir recht erkannt haben». Zwingli und die Prophezei-Teilnehmenden setzten sich also bewusst auch der Wirkung von Gottes Wort aus. Erkenntnis alleine reicht noch nicht, das Wort Gottes will nicht nur erkannt und verstanden werden. Ziel der göttlichen Erleuchtung und Leitung ist eine Verwandlung, die der biblischen Botschaft und dem Vorbild von Christus entspricht. Zwingli nimmt dabei Bezug auf ein Wort aus 2. Korinther 3,18, wo Paulus davon spricht, dass uns Gott durch seinen Geist Christus immer ähnlicher werden lässt, wir dadurch immer mehr Gottes Herrlichkeit widerspiegeln.
Zwingli selber hat sich als Gefäss – als «Haf» – verstanden und auch wir heutigen Christinnen und Christen haben denselben Auftrag, dass wir «Gottes Botschafter» und ein «Brief Christi» in dieser Welt sein sollen. «Erleuchtung» nach Zwingli hat zur Voraussetzung, dass ich Gottes Geist an mir wirken lassen und den Worten der Bibel im eigenen Leben Raum gebe. Damit können andere an uns einen (kleinen) Teil von Gottes Herrlichkeit ablesen.
Inspirierende Pfingsten wünsche ich Ihnen,
Daniel Hintermann, Pfarrer
Bereitgestellt: 28.05.2019     Besuche: 42 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch