Anita Hungerbühler

Ich bin der Herr, dein Gott

Wort des Pfarrers<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-schoeftland.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>163</div><div class='bid' style='display:none;'>2805</div><div class='usr' style='display:none;'>336</div>

In 2. Mose 20,2 spricht Gott zu den Israeliten: «Ich bin der Herr, dein Gott». Zeitgemäss aus­gedrückt könnte das heissen: Es gibt einen Gott, er existiert und er hat eine Bedeutung für mein Leben. – Der Satz ist auch der Anfang der Zehn Gebote und wird bei uns Reformierten tradi­tionell als Vorwort der Zehn Gebote angesehen. Das Judentum nimmt eine andere Zählung vor und so gilt dieser Satz bereits als erstes Ge­bot: Der Herr ist Gott und kein anderer.
Die jüdische Einteilung der Zehn Gebote verleiht diesem Satz also noch stärkeres Gewicht. Dass nur einer allein (hebrä­isch: «ächat») Gott ist, gehört zum jüdischen Selbstverständnis. Die Israeliten waren weit und breit das einzige Volk, welches «nur ei­nen» Gott hatte und anbetete bzw. anbeten durfte. Das letzte Wort, das der jüdische Rabbi Jochanan ben Sakkai, allem Anschein nach noch ein Zeitgenosse Jesu, vor seinem Tod sprach, war: «ächat». Dieses «ächat» ist zugleich auch das letzte Wort im sogenannten Schma Jisrael, dem «Höre Israel Gebet», welches ein zentra­ler Glaubenssatz und Bestandteil der täglichen jüdischen Gebete ist. Es steht in 5. Mose 6,4: «Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein».
Vor diesem Hintergrund taucht nun plötzlich ein Mensch auf und behauptet von sich selbst, Gott zu sein. Jesus Christus tat dies auf vielfältige Weise, u.a. indem er die im Alten Testament oft erscheinende Aussage Gottes (wie eben ge­sehen in den Zehn Geboten) «Ich bin», aufgreift und sie in den sogenannten «Ich­bin­Worten» des Johannesevangeliums auf sich selbst be­zieht (Ich bin das Brot des Lebens; das Licht der Welt; die Tür; der gute Hirt; die Auferstehung und das Leben; der Weg, die Wahrheit und das Leben; der wahre Weinstock). Diese Formulie­rungen waren für viele der damaligen jüdischen Hörer so anmassend, ja frevlerisch und gottes­lästernd, dass sie mit ein Grund waren für den Wunsch, Jesus zu beseitigen. In Johannes 10,33 antworten ihm einige Juden, Steine in den Hän­ den haltend: «Wegen eines guten Werkes steinigen wir dich nicht, sondern wegen Lästerung, und weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.» – Entweder machte sich Jesus hoch­ stapelnd selbst zu Gott und wurde rechtmässig dafür angeklagt oder aber er war und ist wirklich Gott und das erste der Zehn Gebote kann ge­nauso gut wie folgt formuliert werden: Ich bin der Herr Jesus Christus, dein Gott.
An einen Gott zu glauben ist das eine, aber auch noch daran zu glauben, dass er Mensch wurde und umgebracht wurde und schliesslich auch noch von den Toten auferstand, geht noch ei­nen Schritt weiter. Thomas, der Apostel Jesu, wollte erst nicht an die Auferstehung Christi glauben, als er dem auferstandenen Jesus aber begegnete, sprach er zu ihm (Johannes 20,28b): «Mein Herr und mein Gott!»

Beat Müller, Pfarrer
Bereitgestellt: 24.01.2019     Besuche: 33 Monat 
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