Monika Frey

Angesehen ...

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Was fällt uns zu diesem Begriff spontan ein? Angesehen - so der erste Gedanke - ist jemand, der für seine Leistungen oder besonderen Fähigkeiten von vielen andern Beachtung geschenkt bekommt, eine erfolgreiche Sportlerin zum Beispiel, ein erfahrener Berufsmann, eine beliebte Musikerin oder Schauspielerin, ein einflussreicher Politiker ... oder wer zu den Reichen und Schönen gezählt wird. Sie alle geniessen Ansehen.
Die oben aufgezählten Kriterien treffen auf die meisten von uns nicht zu. Und doch sind wir «angesehen» und das erst noch auf viel bedeutungsvollere Weise. Wie komme ich darauf? Durch ein eigenartiges Erlebnis. Auf einer Städtereise haben wir nebst andern Sehenswürdigkeiten eine grosse Kathedrale besucht. Nur wenige Besucher waren zusammen mit uns in der Kirche und ich genoss die andächtige Stille in den alten Mauern, die sich so wohltuend abhob von der hektischen Geschäftigkeit und dem dichten Verkehr in den Strassen draussen. Vorne im Chor bemerkte ich eine imposante, mehrere Meter grosse Christusfigur aus Stein. Mit segnend ausgebreiteten Armen füllte sie den vordersten Teil der Kirche - und ihre Augen waren direkt auf mich gerichtet. Langsam bewegte ich mich durch die Kirche und sah dazwischen immer wieder zur Christusfigur hin. Unwillkürlich wurde mein Blick immer wieder dorthin gezogen. Dabei fiel mir auf, dass, ganz gleich wo ich mich in der Kirche gerade befand, die Augen von Christus immer auf mir ruhten. Merkwürdig! Es war mir nicht unangenehm, im Gegenteil, ich fühlte mich wohl unter diesem Blick. So «angesehen» von ihm, stellte sich bald einmal das Empfinden von Geborgensein ein und auf ein Mal erfüllte mich ein tiefer Frieden. Ich setzte mich hin und verweilte in dieser heilvollen Stille und deutlich spürbaren Gegenwart Gottes. Allerlei Gedanken und Gefühle kamen und gingen. Schliesslich verspürte ich vor allem grosse Dankbarkeit, dass ich an Gott glauben, sein Dasein merken, seinen Beistand im Alltag erfahren und von Jesus Christus angesehen leben darf. Schon oft ist mir diese «heilige» Stunde in jener Kathedrale in den Sinn gekommen. Immer wieder erinnere ich mich in Momenten der inneren Not, der vermeintlichen Einsamkeit und wenn mir Unrecht geschieht, aber auch in frohen Stunden und glücklichen Momenten an dieses Angesehen-Sein von Gott, an den beständigen Blick Jesu Christi, der mich unter keinen Umständen loslässt. Als von IHM Angesehene lässt sich gut und zuversichtlich leben, auch wenn wir sonst nicht besonderes Ansehen geniessen.
Wir sind angesehen und wertvoll in Gottes Augen, jedes von uns. Die biblische Zusage lautet (Jes. 43,4): «Du bist teuer in meinen Augen, wertgeachtet, und ich habe dich lieb.»
Hammer, nicht wahr? Ein unvergleichliches Geschenk! Ohne jegliche Leistung erbringen oder bestimmte Vorgaben erfüllen zu müssen. Nicht weil wir es verdient hätten oder so herausragende Fähigkeiten vorweisen könnten. Es ist Seine Gabe an uns, aus lauter Liebe -und wir sind herzlich eingeladen, uns an diesem Angesehen-Sein zu freuen und unter seinem verbindlich zugewandten Blick unsern Glauben hoffnungsfroh zu leben.

Rosemarie Müller-Rüegger, Pfarrerin
Bereitgestellt: 02.10.2017     
aktualisiert mit kirchenweb.ch